| November 2011
1. ALI IM PARADIES von Viola Shafik: Weltpremiere bei Alfilm in Berlin 2. Conflict ALT ESC im Hebbel am Ufer 3. Werkschau Eyal Sivan beim exground filmfest 4. Veröffentlichung: Die Krux mit dem Tabu; Revolutionen – und sonst? 5. GATE #5 von Simon El Habre vom Screen Institute Beirut gefördert 6. DVD des Monats: ROUTE 181 – Fragmente einer Reise in Palästina - Israel -----------------------------------
1. Ali im Paradies von Viola Shafik: Weltpremiere bei Alfilm in Berlin
Viola Shafiks neuer abendfüllender Dokumentarfilm feiert am 7.11. 2011 um 20.00 seine Weltpremiere auf dem Alfilm – Arabisches Filmfestival Berlin. Zur Premiere werden neben der Regisseurin die ProtagonistInnen Rudolf Waldemar Brem, Renate Leiffer und Hans Hirschmüller sowie der assoziierte Produzent Daoud Abdel Sayyed erwartet.
Inhalt
Für seinen antirassistischen Film ‚Angst essen Seele auf‘ (1973) hat Rainer Werner Fassbinder internationale Anerkennung bekommen. Der Protagonist, ein arabischer Gastarbeiter, wurde von dem Marokkaner El Hedi Ben Salem M’barek Mohammed Mustafa, Fassbinders damaligem Geliebten, gespielt. Während sich der Film selbst mutig mit dem Rassismus der Nachkriegs-BRD auseinandersetzt, scheinen seine Macher/innen dem realen Mann eine gewisse Gleichgültigkeit entgegen zu bringen, sie fantasieren sich ihren eigenen Salem. Anhand von Interviews und Archivbildern legt Viola Shafik in ‘Ali im Paradies’ die Imagination El Hedi Ben Salem durch die Fassbinder-Gruppe frei. Ein Bild, das viele von ihnen bis heute nicht revidiert haben. Viola Shafik, Ägypten/D 2011, 92 min, HDCAM, arabisch/deutsch mU Link zur Festivalseite
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2. CONFLICT ALT ESC im Hebbel am Ufer
Gestern wurde das Festival „Conflict ALT ESC. News aus Bagdad, Beirut, Jaffa und Kairo“ mit Theater, Performances, Panels, Film und Literatur im Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) eröffnet (2.-7.11.2011).
Irit Neidhardt (mec film) gestaltet zwei Programme: Am Eröffnungsabend wird der ägyptische Regisseur Tamer El Said kleine Ausschnitte aus seinem gerade entstehenden Film In the Last Days of The City zeigen. 2006 begann er daran zu arbeiten, 2008 schrieb er in seinem director’s statement “I am making this film out of love for my city and because I want to show its contradictions – its rising violence and invisible magic, and the story of our silence as we watch our cities being conquered by oppression, ignorance and extremism. In Cairo, like in every other city in the Middle East, there is the feeling that we can’t keep going like this – the end is near, and it might be violent.” Gegen Ende der Dreharbeiten, Anfang 2011, wurde die Utopie/Apokalypse des Films wahr. Wie geht der Künstler damit um? Was war seine ursprüngliche Motivation für den Film? Wie haben andere Künstlergenerationen ihr Verhältnis zu Regime und Gesellschaft reflektiert? Im Artist Talk mit Tamer El Said über sein work in progress und in der Präsentation des von ihm ausgewählten Filmes „Afaq“ von Shadi Abdel Salam (1970) geht es um das Verhältnis von Künstler und Staat.
Emergency as Routine ist der Titel eines Film- und Literaturprogramms am 5. November, das Irit Neidhardt zusammengestellt hat. Wie ein Schatten ihrer selbst schaut eine Familie die Zerstörung ihrer Stadt in einem Hollywoodfilm an. Ein Mann trifft seine Mutter als computeranimierte Bäuerin im neuen Museum über die Ureinwohner des Landes. Drei Frauen ergattern in der Wüste eine Mitfahrgelegenheit im Hühnertransport und fahren in die surreale Zeitschleife ihrer Lebenswelt. In den letzten Jahren hat sich in der arabischen Welt eine Künstlergeneration etabliert, die in die Krisen der Region hineingeboren wurde. In ihren Arbeiten befasst sie sich mit Notlagen, die weder Anfang noch Ende haben sowie mit der Surrealität ihrer Realität. Mit großer Liebe zu ihren Figuren, stoßen sie einen anhaltenden stummen Schrei aus. Emergency as Routine: Filmvorführungen von Port of Memory (Kamal Aljafari) und Everyday is a Holiday (Dima El-Horr), Lesung aus Der Schlafräuber. Gharib Haifawi von Ibtisam Azem sowie eine Podiumsdiskussion mit den drei KünstlerInnen, die das Programm resümiert und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Link zur Programmzeitung
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3. Werkschau Eyal Sivan beim exground filmfest
Mit den sechs Dokumentarfilmen in der Werkschau des israelischen Regisseurs Eyal Sivan sind wir politisch hochaktuell. Nach dem Auftritt von Mahmud Abbas vor den Vereinten Nationen sind die drei Teile des Filmes ROUTE 181 äußerst informativ und dienen als Hintergrund für die Forderung der Palästinenser nach einem eigenen Staat. In den Filmen kommen Menschen entlang der 1947 im UN-Teilungsplan für Palästina vorgeschlagenen und in der Resolution 181 der UN-Generalversammlung angenommenen Grenzlinie zu Wort. Juden und Palästinenser schildern ihre Sichtweise. Im Film AQABAT-JABER, PEACE WITH NO RETURN?, mit dem die Werkschau am 14. November 2011 eröffnet wird, geht Sivan der Frage nach, ob ein Friede ohne die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge aus dem gleichnamigen Lager in die Heimat ihrer Eltern möglich ist. Dies ist angesichts der Zeitungsmeldungen über die geplante Siedlungspolitik in Israel eine hochaktuelle Frage. Nach der Vorführung dieses Filmes wird der Regisseur dem Publikum Rede und Antwort stehen. Interessante historische Hintergründe zu einem der bekanntesten israelischen Exportartikel liefert der Film JAFFA – THE ORANGE’S CLOCKWORK. Ein Zeugnis der unrühmlichen deutschen Geschichte ist der Film THE SPECIALIST. Darin dokumentiert Sivan den Prozess Anfang der 1960er-Jahre gegen den Organisator der Judentransporte in die Vernichtungslager im Auftrag Hitlers, Adolf Eichmann. mehr
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4. Veröffentlichung: Die Krux mit dem Tabu; Revolutionen – und sonst?
Marokkanischer Film Die Krux mit dem Tabu (in qantara.de) Viele der in Marokko entstehenden Filme setzen sich zwar vordergründig mit sozialen Problemen auseinander, blenden die wirklichen gesellschaftlichen und politischen Probleme des Landes aber aus. Von Irit Neidhardt Anfang September veranstalteten das Zentrum Moderner Orient und das Arsenal – Institut für Film und Videokunst in Berlin marokkanische Filmtage unter dem Titel "Umbruch und Vielfalt". Es waren neun Filme aus den Jahren 2001–2010 zu sehen. In diesem Zeitraum wurden im Marokko insgesamt 120 Filmproduktionen realisiert. Das Selektionskriterium für das Berliner Programm war, so die Koorganisatorin Sonja Hegasy, Arbeiten zu präsentieren, die das Schweigen über kontroverse Themen in der marokkanischen Gesellschaft brechen und zu zeigen, dass sich im Land seit mehreren Jahren eine langsamer Wandel vollzieht. Weiter
Revolutionen – und sonst?
Über das entstehen einfältiger Bilder einer vielstimmigen Region (Kuratierungstext HAU Programm s.o.) Seit Jahrzehnten gilt der Nahe Osten als Krisenregion. Bei jeder größeren Eruption von Gewalt geht die Filmindustrie in Produktion, besonders seit dem 11. September 2001: Die zweite palästinensische Intifada mit ihrer Eskalation von Selbstmordattentaten und dem Bau der Mauer seitens Israels hat die Leinwände recht lange bespielt. Die Filme zur Zedernrevolution im Libanon 2005 hatten das Festivaljahr grade durchlaufen als die – meist kurzen – Arbeiten zum Juni-Krieg 2006 folgten, abgelöst vom Gaza-Krieg 2008/9. Zum Irak-Krieg produziert vor allem Hollywood. Und nun die Revolutionen. Weiter
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5. Gate #5 von Simon El Habre vom Screen Institute Beirut gefördert
Simon El Habre’s neues abendfüllendes Dokumentarfilmprojekt GATE #5 wurde vom Screen Institute Beirut (SIB) mit 19.000$ Produktionsförderung unterstützt. Der Film wird vermutlich zu Ende des Jahres fertiggestellt.
Inhalt Sie waren jung, liebten das Abendteuer und hatten Wahlmöglichkeiten. In den 1960er und 70er Jahren verließen Tausende junger Libanesen ihre Dörfer und suchten nach einem neuen Leben in der Stadt. Der Hafen von Beirut, wirtschaftliche Ader und zentraler Bezirk der Metropole, bot Arbeit für Lastwagenfahrer – ein Job der Männlichkeit unterstrich und zum Lebensstil wurde. In den Jahren des Bürgerkriegens (1975-90) wurden die Fahrer gebraucht, um die Versorgung mit Lebensmitteln, Warren und manchmal Waffen zwischen den verschiedenen Sektoren des Landes aufrecht zu erhalten. Nach Kriegsende wurde der Burj Square, das Stadtzentrum, zerstört, privatisiert und für die Wohlhabenden wieder aufgebaut. Die Welt der Lastwagenfahrer schrumpfte auf den Hafen zusammen, wo sie ihr Können jetzt als Tagelöhner anbieten. Aber meist schlagen sie ihre Zeit tot und reisen in die Erinnerung. Einer von ihnen, Najm El Habre, ist zu krank dazu. Er fand einen anderen Weg weiter zu machen. Simon El Habre, Libanon/UAE 2011, ca. 82 min, HDCAM, Arabisch mit eng. UT -------------------------
6. DVD des Monats – ROUTE 181 – Fragmente einer Reise in Palästina-Israel
Inhalt Der Film eröffnet eine ungewöhnliche Perspektive auf die Bevölkerung in Palästina-Israel, eine gemeinsame Vision eines Palästinensers und eines Israelis. Auf ihrer ausgiebigen Reise hatten sie nur willkürliche Begegnungen. Es wurden im Vorfeld weder Treffen vereinbart, noch Persönlichkeiten oder "offizielle" Gesprächspartner kontaktiert.
Michel Khleifi & Eyal Sivan F/B/D/GB 2003, 270 min, Arab./Hebr. Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Hebräisch PAL, kein Ländercode, sofort lieferbar
4 DVDs. Inhalt: Der Film in voller Länge, in drei Teilen und in Kapiteln (nach Orten) • zusätzliche Filmszenen • Beschreibungen der Orte im Film • Text und Karte der UN-Resolution 181 • Kartenmaterial zu den zerstörten palästinensischen Dörfern, der Geschichte der jüdischen Besiedlung Palästinas, alternativen Teilungsplänen • CV’s der Filmemacher • Interview mit den Filmemachern • Links im Internet - Untertitel in 6 Sprachen
Themengebiete Erinnerung, Geschichtsschreibung, UN-Resolution 181, Palästina, Israel, Besiedlung, Mizrahim (Jüdinnen und Juden aus arabischen Ländern), Naqba, Road-Movie, Besatzung
Homevideo 44,-€ Ö-Rechte 150,- € V+Ö-Rechte 250,- € zzgl. Versandkosten
Institutionen wenden sich bitte an info [ at ] mecfilm.de Zur Shopseite
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